Ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit von NACWOLA ist es, den Eltern zu helfen, mit ihren Kindern über ihre Krankheit zu sprechen.

Ohne das „Memory Book”, das ihre Mutter Cathy geschrieben hat, wüsste Sharon nichts über ihren Vater und sein Leben.

 

 

Uganda - Kampala
Das Schweigen durchbrechen

Der Pallisa Distrikt liegt im Nordosten von Ugandas Haupt-stadt Kampala. Knapp eine halbe Million Menschen leben hier in weit verstreuten Dörfern. Die Zahl der Aids-Infizierten ist enorm hoch, die medizinische Versorgung katastrophal: Nur ein einziges Krankenhaus gibt es im gesamten Distrikt. Die Aids-Arbeit der katholischen Kirche in Uganda, die in den letzten Jahren sehr viel erreicht hat, ist für Aids-Kranke oft die einzige Hoffnung auf Behandlung, Pflege und Begleitung. Die vom KINDERaidsFONDS geförderte Organisation NACWOLA (National Community of Women Living with Aids) hilft von HIV/Aids betroffenen Familien und verwaisten Kindern, mit der Krankheit und ihren Folgen umzugehen. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Gesundheitshelferinnenführt NACWOLA in den Dörfern Kurse durch. Neben Fragen zur Gesundheit, Hygiene und Pflege geht es vor allem um die Zukunft der Kinder. Ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit von NACWOLA ist es, den Eltern zu helfen, mit ihren Kindern über ihre Krankheit zu sprechen. Kinder spüren jede Veränderung ihrer Eltern. Sie erleben hautnah die Sorgen und die Hilflosigkeit, den Ausbruch der Krankheit, den Tod von Vater und Mutter. Aber oft hat keiner mit ihnen darüber gesprochen, niemand sie daraufvorbereitet, dass die todbringende Krankheit der Eltern auch ihr Leben vollkommen erschüttern und verändern wird.

Memory Books

Worte für die Zukunft
Um die meist durch Angst und Tabus hervorgerufene Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kindern zu überwinden, bietet NACWOLA in den Kursen Begleitung und Hilfe an beim Schreiben so genannter „Memory Books”. Das sind Hefte, in denen Mütter oder Väter für ihre Kinder ihre Familiengeschichte aufschreiben. Sie enthalten Erlebnisse und Erfahrungen, einen Familienstammbaum und Fotos, Wünsche und Hoffnungen.

Die „Memory Books“ sind sehr persönliche Zeugnisse, die für die Kinder über den Tod der Eltern hinaus ihre Nähe und Liebe ausdrücken. Sie geben den Kindern Mut und erklären Dinge, die sie vielleicht jetzt noch nicht verstehen. Sie helfen den Eltern, so gut wie möglich Vorsorge für ihre Kinder zu treffen. Da viele Frauen und Männer in den Dörfern weder lesen noch schreiben können, bringen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen von NACWOLA die erzählten Geschichten zu Papier.

Als Sharons Vater an Aids starb, war sie erst ein Jahr alt. Ohne das „Memory Book”, das ihre Mutter Cathy geschrieben hat, wüsste sie nichts über ihn und sein Leben. Sie wüsste nicht, dass ihr Vater schon todkrank war, bevor ihre Mutter ihn überzeugen konnte, einen Aidstest machen zu lassen. Sie wüsste nicht, wie sehr die Frauengruppe von NACWOLA ihrer Mutter geholfen hat, als auch ihr Testergebnis HIV-positiv war. Ohne das „Memory Book” wüsste sie nichts von dem Wunsch ihrer Mutter und ohne die Unterstützung durch NACWOLA könnte sie diesen Wunsch nicht erfüllen: „Sharon, bitte versuch, so lange zur Schule zu gehen wie es nur irgendwie möglich ist. Wenn du die Chance hast, die Schulgebühren aufzubringen, nutze sie. Denn mit einer Schulbildung wird das Leben für dich viel einfacher sein.”

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